Zeitung vom Samsatg


Mail vom 27.7.2007

Liebe Frau Schmidt,
angehängt finden Sie den Text für das Frauen-Porträt für die kommende Zeitung am Samstag, die am 3. November 2007 erscheinen wird.
Der Text ist sicher noch zu lang und muss deshalb von mir noch ein wenig gekürzt werden.
Das Gespräch mit Ihnen hat mir viel Spaß gemacht! Vielen Dank dafür!
Mit besten Grüßen
Barbara Breitsprecher

Renate Schmidt, 54 Jahre alt, seit 30 Jahren führt sie auf der Südseite des Münsterplatzes den Stand „Burkheimer Kräuterhof“, an dem sie Tees, Kräuter und Gewürze, Wärmekissen und Bonbons verkauft.

B
wie Bratkartoffeln: Weil es jetzt winterlich wird und weil Bratkartoffeln einfach herrlich sind, eben ein typisch Freiburger und Kaiserstühler Gericht. Ich esse überhaupt gerne Kartoffeln, aber Bratkartoffeln sind besonders bei kühlem Wetter einfach fein. Ich kaufe meine Kartoffeln hier am Münsterplatz. Früher hatte ich auch eigene im Garten. Kartoffeln sind besser als Nudeln. Da sind mehr wertvolle Inhaltsstoffe drin. Aber das Schälen und Kochen macht auch Arbeit, das machen viele Leute nicht mehr gerne. Im Gegenteil: Sie wollen den fertigen Kartoffelbrei. Ich würde das nie machen, ich mache alles frisch – auch den Kartoffelbrei. Bei mir gibt es grundsätzlich nie Fertiggerichte. Keine Dosen, keine Tiefkühlkost, nur Frisches. Ich habe vier Kinder im Alter von 22 bis 36 Jahren. Denen habe ich immer gesagt, wenn ihr woanders seid, könnt ihr von mir aus essen was ihr wollt, von mir aus Cola trinken, Pommes essen, das ist mir egal. Aber hier bei mir gibt es das nicht! Und meine Kinder freuen sich heute, dass ich ihnen so gutes Essen gegeben habe. Jetzt sehen sie es ein. Und machen es genauso. Es gibt viele Leute, gerade auch Kinder, denen schmeckt das andere, frische Essen nicht mehr, weil sie nur noch das Fertigzeugs mit den Geschmacksverstärkern kennen.
Das Argument, die Menschen hätten heute weniger Zeit zum Kochen als früher, lasse ich nicht gelten: Zeit haben sie! Denn dann gehen sie ins Fitnesscenter, machen dies und das, gehen Schwimmen, Joggen, Walking, in irgendwelche Kurse – jeder hat Zeit! Nur wo bleibt die Zeit? Die Frage ist doch, was uns wichtig ist, wo ich die Zeit verschwende oder verwende. Da muss ich selbst in meine Mitte kommen und sagen, das ist wichtig und das andere ist eben weniger wichtig. Und dann habe ich auch Zeit...
Das Kochen für sich zu entdecken ist so was Schönes und ganz einfach: Die Leute sollen auf den Markt gehen, einkaufen und anfangen zu kochen. Sich einfach inspirieren lassen, eine Runde drehen – da gibt es tausend schöne Sachen. Ich habe nie einen Kochkurs gemacht. Das macht man dann aus dem Ärmel heraus. Oder man nimmt sich eben ein Kochbuch. Und wenn man erst ein paar Fehler macht, ist das auch kein Problem. Kochen ist wahnsinnig kreativ! Man kann sich einfach durch die Jahreszeiten gleiten lassen, dann hat man automatisch Abwechslung. Bei uns gibt es etwa alle zwei Wochen Bratkartoffeln. Immer dann, wenn ich einen großen Topf Kartoffeln gekocht habe und welche übrig sind.
(Bei uns gibt es immer abends warmes Essen, zum Frühstück esse ich manchmal Hirsesuppe. Das ist gut für den Magen. Mittags esse ich normalerweise Joghurt, manchmal mit Apfelmus oder Obstsalat oben drauf. Abends aber essen wir immer zusammen, immer wieder auch mit den Kindern und deren Partnern. Dann brauche ich große Töpfe! Aber ich weiß nie im voraus was ich koche. Ich geh einfach über den Markt, schaue und kaufe Verschiedenes. Dann geh ich heim und weiß immer noch nicht, was ich kochen werde. Wenn es dann halb fünf ist und Zeit wird, dann denke ich: Ja! Das gibt es heute! Und es fällt mir immer etwas ein!)

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